Geschichte

Die Polikliniken in der DDR

In der 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts existierten in der Deutschen Demokratischen Republik rund 600 Polikliniken. In diesen Einrichtungen arbeiteten Fachärzte verschiedener Richtung zusammen und versorgten einen großen Teil der Bevölkerung – Ärzte und Pflegekräfte waren dabei Angestellte des Staates.

Diese Bündelung der medizinischen Kompetenz an einem Ort brachte viele Vorteile: Die Spezialisten konnten sich beraten – koordinierte Therapiestrategien waren möglich und erhöhten den Behandlungserfolg. Meist konnten die Ärzte auf verschiedene Funktionsbereiche wie Labor oder Röntgenabteilung zurückgreifen – auch das steigerte die Behandlungsqualität. In manchen Polikliniken konnten die Ärzte sogar ambulant Operationen durchführen – Patienten wurden in einem stationären Betten-Bereich untergebracht.

Nach der Wende wurden viele Polikliniken stillgelegt: Die Ärzte machten sich selbständig und eröffneten Privatpraxen – Patienten wanderten ab. Zum Teil wurden Polikliniken auch in Ärztehäuser umgewandelt, also privatwirtschaftlich geführte Unternehmen, in denen die Ärzte Gesellschafter waren. Diese Ärztehäuser setzen zum Teil das Erfolgssystem der Polikliniken fort,  zum Teil waren sie aber nicht mehr als eine beliebige Sammlung von Einzelpraxen an einem Ort und unter einem Dach.

Seit einigen Jahren geraten nicht zuletzt aufgrund der explodierenden Kosten in der Gesundheitsversorgung Polikliniken wieder zunehmend ins Blickfeld von Gesundheitspolitikern oder Unternehmern. Tatsächlich bieten Polikliniken (Medizinische Versorgungszentren) beträchtliche wirtschaftliche Vorteile: Teure Geräte oder OP-Räume werden nur einmal angeschafft und von mehreren Ärzten verwendet. Auch viele Mitarbeiter (Verwaltung/Empfang) arbeiten für mehrere Ärzte gleichzeitig – dadurch lassen sich viele Kosten einsparen.

Die Ärzte erhalten darüber hinaus feste Gehälter. Das heißt zum einem, dass die Kosten berechenbar bleiben; zum anderen dass Diagnose- und Behandlungsmethoden nach Erfolgsaussichten und nicht nach Gewinnmaximierung ausgewählt werden. Auch viele Ärzte bevorzugen die Festanstellungen in einem medizinischen Versorgungszentrum: Sie profitieren dabei von einem fixen Gehalt und regelmäßigen Arbeitszeiten – eine Anstellung in den Polikliniken lässt sich daher gut mit einer Familie vereinbaren. Zudem haben die Mediziner nicht die ökonomischen Risiken einer Selbständigkeit zu tragen.

Auch für Patienten ist vieles einfacher in einem Medizinischen Versorgungszentrum: Die Wege verkürzen sich, da viele Experten unter einem Dach sitzen – bei Weiterbehandlungen oder Überweisungen verringert der Zeitverlust. Zudem haben die Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten, da deren Verwaltungsaufwand in einer Poliklinik sinkt.

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